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Blaualgen in der Ostsee

Wenn die Ostsee wochenlang warm und windstill liegt, färbt sie sich an manchen Stränden grüngelb: Blaualgen blühen. Für gesunde Erwachsene sind sie meist nur unappetitlich, für kleine Kinder und Hunde können sie ernst werden. Hier steht, was da schwimmt, woran du eine Blüte erkennst, welche Regeln gelten — und warum der Wind das Thema meist von selbst beendet.

Heute an der Küste: Lage wird geladen …
Grünlich-gelbe Blaualgen-Schlieren auf spiegelglattem Ostseewasser, die sich in Streifen zum Sandstrand ziehen

Was da eigentlich blüht

Cyanobakterien · Nodularia spumigena & Aphanizomenon

Blaualgen sind gar keine Algen, sondern Bakterien, die Photosynthese betreiben — uralte Bewohner der Ostsee, die Stickstoff aus der Luft binden können und deshalb im nährstoffarmen Hochsommer einen Vorteil haben. Bei Wärme und ruhigem Wasser vermehren sie sich massenhaft, steigen mit winzigen Gasbläschen an die Oberfläche und sammeln sich dort zu Schlieren und Teppichen, die der Wind an den Strand schiebt.

Bei Schlieren: nicht hineinschwimmen
Wann & wo

Die Blütezeit liegt zwischen Ende Juni und Ende August, in warmen Jahren bis in den September. Drei Zutaten müssen zusammenkommen: Oberflächenwasser über etwa 16 bis 17 Grad, mehrere windstille Tage, in denen sich das Wasser schichtet, und viel Sonne. Am häufigsten trifft es die zentrale Ostsee und ihre Buchten und Bodden — Rügen, Usedom, der Greifswalder Bodden; die westliche Ostsee um Fehmarn ist salziger und blüht seltener. Die Nordsee kennt diese Blüten nicht.

Erkennen

Grünlich-gelbe bis blaugrüne Schlieren, Fäden und Klümpchen im Wasser, die aussehen wie verschütteter Farbstoff oder Erbsensuppe; an windstillen Tagen auch geschlossene Decken, dazu ein modriger Geruch. Klassischer Test: mit einem Stock hineinstechen. Fadenalgen und Seegras wickeln sich um den Stock — Blaualgen zerfallen und bleiben nicht hängen. Trübes, suppiges Wasser, in dem die Füße nicht mehr zu sehen sind, spricht für eine dichte Blüte.

Wie schlimm ist es?

Ehrlich: Für Erwachsene, die Schlieren meiden, meist harmlos. Nodularia spumigena bildet aber ein Lebergift (Nodularin), und die Zellen reizen Haut, Augen und Schleimhäute. Wer in dichte Teppiche schwimmt oder Wasser schluckt, riskiert Hautausschlag, gerötete Augen, Übelkeit und Durchfall. Ernst wird es für kleine Kinder, die im Flachwasser spielen und dabei Wasser schlucken, und für Hunde: Sie trinken aus dem Wasser und lecken sich das Fell — Vergiftungen können tödlich enden.

Nicht zu verwechseln mit

Vibrionen: Die sind unsichtbar, das Wasser sieht normal aus, und sie werden nur über Wunden gefährlich. Blaualgen dagegen siehst du — und genau deshalb kannst du ihnen ausweichen. Beide mögen dieselben warmen Sommerwochen, weshalb das Radar beide Einschätzungen nebeneinander zeigt.

Die aktuelle Lage

So schätzt das Quallenradar die Blaualgen-Gunst ein

Ob eine Blüte wahrscheinlich ist, hängt an messbaren Dingen: der Wassertemperatur der letzten Tage, dem Anteil windstiller Stunden, der Sonne, der Saison und der Küstenregion — dazu die Windrichtung, die entscheidet, ob Teppiche am Strand landen. Daraus berechnet das Radar täglich für jeden Strand eine Blaualgen-Gunst in drei Stufen: Unauffällig, Erhöht, Deutlich erhöht. Das ist eine Einschätzung der Umgebungsbedingungen — kein Satellitenbild, keine Wasserprobe. Ob wirklich Schlieren im Wasser sind, siehst du am Strand; verbindliche Warnungen sprechen die Gesundheitsämter aus, in Mecklenburg-Vorpommern über die Badegewässerkarte des LAGuS, in Schleswig-Holstein über die Badegewässerkarte des Landes.

→ Zur Live-Karte: die Blaualgen-Ansicht für Rügen

Kurz beantwortet

Woran erkenne ich Blaualgen in der Ostsee?

An grünlich-gelben bis blaugrünen Schlieren, Fäden und Teppichen auf dem Wasser — wie verschütteter Farbstoff oder Erbsensuppe, oft in Streifen am Ufer. Stock-Test: Blaualgen zerfallen beim Hineinstechen, Fadenalgen und Seegras wickeln sich um den Stock. Modriger Geruch und trübes Wasser sprechen für eine dichte Blüte.

Sind Blaualgen in der Ostsee gefährlich?

Für gesunde Erwachsene mit Abstand meist nicht. Die häufigste Art, Nodularia spumigena, bildet aber ein Lebergift und reizt Haut, Augen und Schleimhäute — wer in dichte Schlieren schwimmt oder Wasser schluckt, riskiert Ausschlag, Augenreizung, Übelkeit und Durchfall. Besonders gefährdet sind kleine Kinder im Flachwasser und Hunde; für Hunde können Blaualgen tödlich sein.

Wann verschwinden Blaualgen wieder?

Sobald der Wind zurückkommt: Ab etwa 15 bis 20 km/h mischt er die Wassersäule durch, die Teppiche zerfallen und verteilen sich, oft binnen eines Tages. Auch ein Temperatursturz oder kräftiger Regen beendet eine Blüte. Bleibt es warm und windstill, kann sie sich wochenlang halten — genau das bildet die Blaualgen-Gunst des Radars ab.

Gibt es Blaualgen auch an der Nordsee?

Die Ostsee-Blüten nicht: Die Nordsee ist salziger und wird von Ebbe und Flut ständig durchmischt. Der weiße Schaum an Nordseestränden im Frühjahr stammt von der harmlosen Schaumalge Phaeocystis. Für Sylt und Norderney bleibt die Blaualgen-Ansicht deshalb dauerhaft unauffällig.

Darf ich baden, wenn das Radar „Erhöht“ zeigt?

Ja — „Erhöht“ heißt: Die Bedingungen für eine Blüte sind gut, nicht: Es blüht. Schau aufs Wasser: Sind keine Schlieren zu sehen, spricht nichts gegen das Bad. Sind welche da, geh ein Stück weiter an klares Wasser oder wartest auf den nächsten Wind.

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